Adaptogene
Wir können hier nur allgemeine Hinweise auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften ohne jeglichen Bezug auf eine Krankheit geben. Dies verlangt der Gesetzgeber. Sie müssen sich so selbst informieren.
Adaptogene
Eine Reise in die Zukunft unserer Gesundheit
Da wir Teepower als Kompetenzpartner für Adaptogene bezeichnen, schreiben wir einen etwas längeren Text. Wir müssen wissen, was Adaptogene sind und wie sie wirken.
Letzte Fassung: 9.5.2011
1. Hintergrund
Adaptogene sind in Pflanzen und Pilzen vorkommende Wirkstoffe, die in ihrem Zusammenwirken den Körper dabei unterstützen, sich zu energetisieren, das Zusammenarbeiten seiner Organe zu harmonisieren, sein Immun- und Nervensystem zu unterstützen. Sie tun dies, in dem sie den Körper dabei helfen, sich gegen physischen und mentalen Streß zu schützen oder mit Stressoren so umzugehen, daß der Körper keinen dauerhaften Schaden erleidet. Adaptogene machen also den Organismus widerstandsfähiger gegenüber von außen einwirkenden Stressoren und stimulieren die überwiegend unspezifischen Abwehrmechanismen gegen Krankheitserreger, erhalten oder stärken also das Immunsystem. In diesem Sinne haben sie „Anti-Aging“- Eigenschaften. Die modernen Erkenntnisse zu Adaptogenen gehen auf russische Forschungen zurück, die Jahrzehnte zurückliegen. Die Russen waren daran interessiert, Heilpflanzen zu finden, welche Menschen, die großen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt waren, Hilfe bieten konnten. Dabei stießen sie früh auf Ginseng, Schisandra, Rhodiola, Eleuthero (Sibirischer Ginseng), welche auch im Fernen Osten Rußlands geerntet wurden. Testpersonen waren hochgradigem Streß ausgesetzte Athleten, Astronauten, Militärs, Seeleute. Die Ergebnisse waren so überzeugend, daß man diesen Personengruppen die Heilpflanzen zur Einnahme empfahl (siehe Antoshechkin und die dort ausgewerteten Forschungsergebnisse). Die jüngere Forschung konnte die russischen Erfahrungen weitgehend bestätigen und die zugrundeliegenden Wirkungsmechanismen transparenter machen. Diese Forschungen stützen die Erkenntnisse der traditionellen Medizin in Ostasien (China, Japan, Korea, Indien), sind aber auch mit europäischen Einsichten der Pflanzenheilkunde vereinbar. Eine von 300 Heilpflanzen besitzt adaptogene Eigenschaften. Adaptogene sind selten – nur nicht im Marketing. Da die Wirkkraft von Adaptogenen sich allmählich herumspricht, werden zunehmend mehr Pflanzen adaptogene Eigenschaften zugeschrieben. Ist Maca ein Adaptogen? Ist Efeu ein Adaptogen? Oder Kaffee? Oder Guarana? Oder Kava-Kava? Grüner Tee - vielleicht. Wie der Leser schnell sieht, kommen die Adaptogene aus Ostasien (Indien eingeschlossen). Das bedeutet nun nicht, in anderen Regionen gäbe es keine. Nur haben wir noch keine entdeckt. Von den Heilpflanzen Europas besitzt keine adaptogene Eigenschaften. Ein Grund scheint sicherlich zu sein, daß die Vielfalt an Pflanzen einschließlich Heilpflanzen in tropischen und subtropischen Regionen die Europas um ein Mehrfaches übertrifft. Beispiel Thailand: dort gibt es über 15.000 pflanzliche Spezies, in Europa etwa 3.000 (Lehner). Die westliche Medizin interessiert sich für Heilpflanzen, weil sie spezifische Krankheiten therapieren könnten. Efeu (Hedera helix) wurde zur Heilpflanze des Jahres 2010 gekürt, weil seine pharmakologische Wirkung bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen und akuten Entzündungen der Atemwege helfen soll. Das könnten einige Adaptogene auch. Aber ihr „Trick“ ist die nicht-spezifische Wirkung. Sie sind all-rounder. „Zehnkämpfer“. Sie beschäftigen sich mit dem gesamten Körper, nicht zuletzt dem gesunden. Sie dienen nicht der Bekämpfung spezifischer Krankheitsherde.
2. Was sind Adaptogene?
Da wir ausschließlich adaptogene Heilpflanzen anbieten, wollen wir etwas ausführlicher auf diese Frage eingehen. Damit ein pflanzlicher Wirkungskomplex eine adaptogene Bioaktivität entfaltet, muß sie acht Kriterien genügen (Eigenschaften 4, 5, 6, 7, 8 sind von uns den Merkmalen nach Brekhman hinzugefügt). Brekhman war ein russischer Forscher der Adaptogene. Er prägte im Anschluß an seinen Lehrer, Nicolai Vasilevich Lazarev, der den Begriff 1958 einführte, die moderne Forschung. Im Jahr 1969 faßt er in einem Artikel die frühe russische Forschung zusammen. Wir ergänzen seine Überlegungen aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. 1. Geringe Störung der normalen Funktion des Körpers
2. Keine spezifische Wirkung
3. Wirkt normalisierend oder harmonisierend
4. „Entdeckt“ Störungen im Organismus
5. Besitzt synergetische Eigenschaften
6. Regt die Körperfunktionen an und steigert die Lebensenergie
7. Weist einen yin-yang-Charakter auf (überschneidet sich mit 3).
Adaptogen sind also seltene Pflanzen und Pilze mit ungewöhnlichen Eigenschaften. Adaptogene sind Multitalente, nicht spezialisiert auf eine bestimmte Krankheit. Sie keine Arzneimittel. „Nur wenige schaffen es in diese Kategorie. Die Wissenschaft hat diese Eigenschaften in den vergangenen Jahre immer besser nachweisen können. Sie brauchen keine spezifischen Wirkungen auf spezifische Krankheiten, um die Wirkung von Adaptogenen zu schätzen“ (Schilcher u.a., 2007). Adaptogene haben eine Anti-aging-Wirkung. Sie machen unser biologisches Alter jünger als unser chronologisches (gemessen von der Geburt bis heute). Altern ist keine Krankheit. Altern ist ein normaler Prozeß im menschlichen Leben.
3. Adaptogene und Streß
Die Forscher haben Menschen untersucht, die Streß ausgesetzt waren. Streß heißt: eine erhöhte körperliche und geistige Belastung, die zu Anspannung, Erschöpfung, Energieverlust führen kann. Streß ist eine Reaktion des Menschen und seines Körpers auf eine Gefahr, eine Störung, eine Belastung. Adaptogene sind die besten Mittel gegen Streß, weitgehend ohne Nebenwirkungen. Natürlich ist es besser, Streß überhaupt zu vermeiden. Im modernen Leben geht das nur selten. Beruf, Familie, sogar Freizeit erzeugen permanente Belastungen von Körper, Geist und Gefühlen. Jedes dritte Schulkind leidet bereits unter Streß. Der französische Arzt und Forscher Servan-Schreiber notiert: „Klinische Untersuchungen legen den Schluß nahe, dass hinter 50 bis 75 Prozent aller Arztbesuche vor allem Stress steht und dieser in Bezug auf die Sterblichkeit einen größeren Risikofaktor darstellt als Rauchen“ (Servan-Schreiber, S. 15). Brown & Gerbag (S. 16) sprechen von 80 Prozent. Es gibt zwei Arten von Streß: akut und chronisch. Akuter Stress mobilisiert die Immunabwehr vorübergehend. Chronischer Stress führt zu einer Unterdrückung der körpereigenen Abwehr. Wir schalten unsere Körperpolizei aus. Wenn Streß chronisch ist, beruflich oder familiär bedingt, oder durch die Lebensweise, leiden Organismus und Psyche dauerhaft. Der Mensch fällt auf Routine zurück (Angier, 2009). Seine Emotionen werden negativ (Angst, Wut, Ärger usw.). Jede(r) Zweite hat Dauerstreß. Wichtige Ursachen: Zeit- und Termindruck, Arbeitsüberlastung, Doppelbelastung von Beruf und Haushalt, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Probleme mit Vorgesetzen, Schwierigkeiten in der Familie. Der „Akku“ brennt aus (Mediziner sprechen ungern von „Energie“). Burnout ist eine Erscheinung, die Streß-Symptome beschreibt. „Erschöpft, ausgebrannt, arbeitsmüde“ (Meck; lesenswerter Artikel). „Ausgebrannte Lehrer füllen ganze Kliniken“. Junge Frauen sind besonders betroffen.Jeder neunte Deutsche leidet an Burnout. Dunkelziffern unbekannt. Burnout ist keine Krankheit, sie führt aber dazu. Bei Dauerstreß ist der Körper in ständiger Alarmbereitschaft, funktioniert außerhalb seiner normalen Harmonie. Das hormonale Gleichgewicht, die neuroendokrine Sekretion wird verändert. Das Immunsystem wird in Mitleidenschaft gezogen. Chronische Leiden sind die Folge. Streß saugt also Energie aus Körper und Psyche. Unsere Muskeln spannen an und verkrampfen. Vermeiden wir Streß, steht die Energie für anderes zur Verfügung, auch für Geist und Emotion. Wir können, wenn wir Streß vermeiden, ihn nicht chronisch werden lassen, leistungsfähiger sein, effektiver arbeiten. Adaptogene Heilkräuter nützen uns also, auch wenn wir uns gesund fühlen. Sie verhindern Energieverlust und halten unsern Körper im Gleichgewicht – halten uns gesund. „Gesund werden ohne Medikamente“ (Servan-Schreiber). Gesund bleiben ohne Medikamente. Adaptogene beugen vor. Sie bauen einen Schutzwall gegen Streß, gegen Eindringlinge, von denen man oftmals keine Kenntnis hat, von denen man nicht weiß, daß und wie sie wirken. Wer kennt seinen Blutdruck? Warum ist er zu hoch oder zu niedrig? Adaptogene harmonisieren, regulieren den Körper. Sie passen ihn an die Störungen an, ohne daß man im einzelnen wissen muß, wie und wann und wie stark irgend etwas wirkt. Sie nehmen uns diese Arbeit ab, die auch medizinische Spezialisten oft überfordert (Eigenschaft 4: entdecken von Störungen). Auch hier ist erneut zu betonen, daß Streß im Leben eine Normalität ist. Das Zusammenwirken zwischen Streß und Adaptogenen ist nicht mit dem von Arzneien zu verglichen. Letzter zielen darauf, Krankheiten, Körperschäden, krankhafte Beschwerden zu erkennen, zu lindern, zu verhüten. Adaptogene arbeiten anders. Sie stärken den Körper, energetisieren ihn, regen die Körperfunktionen an, geben ihm die Kraft, mit Stress umzugehen. Sie sind also echte Nahrungsergänzungsmittel. Die Funktion eines Adaptogens besteht in der Anpassung des Organismus an Störungen und Belastungen, kommen sie von innen oder von außen. Belastungen mit Streßfolge sind im Leben normal. Nur ein toter Organismus hat Streß hinter sich gebracht. Wie man mit Streß umgeht, woher die Anpassungsenergie an Störungen kommt, wie man sie verliert und neu erzeugt, wie ein Organismus nachhaltig, ohne Raubbau (Rauchen, Trinken, zu viel Essen, „Doping“ usw.) mit Störungen umgeht, genauer umzugehen lernt, also seine gesunde Funktionsweise erhält, auch bei zunehmendem Alter, darum geht es bei der Betrachtung von Adaptogenen. Ein Adaptogen hilft dem Organismus funktionsfähig zu bleiben. Alle Adaptogene gleichen daher auch einer „Körperpolizei“: sie helfen, unseren Organismus vor Störungen (Stress und dessen Folgen) besser zu immunisieren. Adaptogene Heilpflanzen erlauben uns, unser „Innenleben“ (sei es biologisch, sei es psychisch) wirksamer zu schützen. Wenn wir in unsere Überlegungen in zwei Sätzen zusammenfassen würden, könnten diese lauten: Streß, umfassend verstanden, vernichtet, schleichend, Lebensenergie. Ohne Energie ist der Organismus tot. Adaptogene wirken gegen Streß, verlangsamen den energetischen Niedergang des Körpers, einschließlich des Gehirns. Das ist alles. Adaptogene funktionieren als die „Unternehmer“ des Organismus. Sie spenden Energie, genauso wie Unternehmer die Wirtschaft am Leben halten. Adaptogene helfen uns dabei, unsere eigenen psychischen und körperlichen Ressourcen besser zu nutzen.
4. Wie wirken Adaptogene?
Die chinesische Heilkunde unterscheidet zwischen drei Stufen von Heilpflanzen, von denen die höchste Stufe, die „Superioren“, für uns interessant ist. Ganz allgemein läßt sich zum chinesischen System sagen: Sein Schwerpunkt liegt auf der Förderung der Gesundheit und weniger auf der Ausschaltung von Krankheiten. . Zu den Superioren zählen 120 Kräuter, davon haben aber nur wenige adaptogene Eigenschaften. Winston & Maimes stellen die bislang identifizierten Adaptogene in ihrem Buch vor. Als man in China und ähnlich Japan diese Unterscheidung traf, waren Adaptogene noch kein Begriff in der Wissenschaft, in der Praxis allerdings im Dauereinsatz. Bis heute. Nach chinesischer Vorstellung sind die superioren Heilkräuter die „Herrscher“. Sie kontrollieren den Erhalt des Lebens. Sie sind keine Medikamente. Man kann sie deswegen auch über eine lange Zeit einnehmen. Sie sollen nicht-spezifische Störungen (Disharmonien) bekämpfen. Sie entdecken, wo es Probleme gibt. Wer einen normalen Blutdruck hat, dem helfen Adaptogene, wenn der Blutdruck Ärger macht, sie normalisieren den Blutdruck. Diese Wirkung ist außerordentlich wichtig für unsere Gesundheit. Denn die Schwierigkeiten in unserem Körper fangen immer ganz klein an. Man merkt es nicht. Blutdruck ist ein Beispiel. Die Amerikaner nennen zu hohen oder niedrigen Blutdruck, weil er so schweigsam arbeitet, den „silent killer.“ Das gilt für alle sich langsam aufbauenden Disharmonien. Wenn wir Adaptogene nehmen, entdecken sie diese schleichenden Energieräuber früh und wirken entgegen, bevor sie ernsthafte Schwierigkeiten machen. Aber auch wenn es schon Ärger gibt, helfen sie natürlich. Ob jemand gesund ist oder nicht, spielt keine Rolle. Adaptogene stärken die physische und geistige Vitalität. Sie geben dem Körper und Geist Energie. Sie stärken die Widerstandskraft des Organismus gegen physische, chemische, biologische und psychische Stressoren. Sie helfen, das Hormonsystem in einem funktionstüchtigen Zustand zu halten oder schrittweise zurückzuführen. Sie wirken daher, wie die Forschung sagt, nicht-spezifisch. In diesem Sinne arbeiten die Adaptogene in gleicher Weise, obwohl ihre Wirkstoffe sich stark unterscheiden. Adaptogene stärken den Energiehaushalt auch im Bereich der Sexualität, was auch nicht überraschend ist: Sie zielen auf eine Harmonisierung des gesamten Organismus, wirken nicht-spezifisch, suchen oder entdecken die streßbedingten Defizite. Und wenn sie das machen, wirken sie auch spezifisch, aber eben nicht nur, wie es bei Arzneimitteln der Fall ist.
Wie machen sie das?(1) Adaptogene Heilpflanzen und Pilze sind in sich vielfältig, verfügen über viele Wirksubstanzen. Es werden auch ständig neue entdeckt. Ein Beispiel: Jiaogulan. Norberg und Kollegen haben ein neues Saponin entdeckt – Saponine sind die Hauptwirkstoffe von Gynostemma pentaphyllum - welches hilft, die Insulinproduktion zu normalisieren.
(2) Wer mehrere Adaptogene zu sich nimmt, erhöht ihre Wirkungsvielfalt erneut. Denn die Wirkstoffe unterschiedlicher Adaptogene sind nicht identisch, vielmehr unterscheiden sie sich beträchtlich. Das Adaptogen Reishi unterstützt Schisandra und umgekehrt.
(3) Adaptogene können synergetisch zusammenwirken, was ihre Vielfalt weiter steigert. Was heißt das? Synergie bedeudet das Zusammenwirken verschiedener Faktoren (Wirkstoffe): Die Gesamtwirkung von A (Jiaogulan) und B (Schisandra) ist größer als die Gesamtwirkung der jeweiligen Inhaltsstoffe wie Saponine und Polysaccharide der einzelnen Heilkräuter. Die Gesamtwirkung ist größer als die Summe seiner Teile. Jiaogulan und Schisandra zusammen genommen, erzielen eine höhere Wirkung, als wenn man die Wirkung von Jiaogulan und Schisandra jeweils für sich betrachtet und zusammenfügt. 1 + 1 ist größer als 2.
(4) Adaptogene und herkömmlich erzeugte und eingesetzte Medikamente einschließlich Phytopharmaka mit pflanzlichen Bestandteilen können gleichfalls synergetisch wirken. Das muß aber nicht so sein. Wer Medikamente gegen ernsthafte Krankheiten einnimmt, sollte seinen Arzt also informieren, wenn er auch Adaptogene nimmt.
(5) Wenn wir adaptogene oder allgemein alternative Ansätze der Heilung miteinander kombinieren, steigt wiederum die Vielfalt der gesundheitlichen Wirkungen. Adaptogene helfen also Arzneien in ihrer Wirkung, obwohl sie selbst keine Arzneien sind.
(6) Adaptogene verfügen über ein breites Einsatzgebiet. Als Nahrungsergänzungsmittel verwenden wir sie nicht therapeutisch. Sie sind also vielfältig nutzbar.
Das Verblüffende ist daher: Die Wirkkräfte bei adaptogenen Pflanzen sind sehr verschieden, sogar grundsätzlich andere. Dennoch scheinen sie, bezogen auf die Symptome, ähnlich zu wirken bzw. Gleiches zu bewirken, wie etwa die Stärkung des Immunsystems oder die Normalisierung des Hormonsystems. Nur tun sie es auf ganz verschiedene Weise. Ihre Wirkungsmechanismen unterscheiden sich. Für alle gilt: ihre hohe Biokomplexität schafft das Potential für eine komplexe Wirkung; die Komplexität des Organismus ist anerkannt, wird nicht reduziert, um ihn für einen oder wenige Wirksubtanzen „gefügig“ zu machen. Das ist ein Grund, warum die Nebenwirkungen von Adaptogenen, wenn man sie nicht über Gebühr zu sich nimmt, so selten sind. Behandeln wir unsere Organe gut, in dem wir Streß von ihnen fernhalten, sie gut ernähren und energetisieren, sie gegen Störungen immunisieren, geht es uns körperlich besser. Das Umgekehrte gilt auch: Seelischer und psychischer Streß sind auch Folge körperlicher Schwierigkeiten. Wenn Adaptogene helfen, unseren Organismus in guter Verfassung zu halten, hilft das auch unserer Psyche. Die Wissenschaft spricht von Homöostase (Aufrechterhalten eines relativ konstanten inneren Milieus oder Gleichgewichts trotz Störungen) und Allostasis (Homöostase durch Veränderung; Stabilität durch Wandel). Die Körperfunktionen werden in einen normalen Zustand erhalten oder zurückgebracht. „Adoptogene helfen dem Körper, die Homöostase zu normalisieren und die Allostasis zu verbessern.“ (Winston & Maimes, 2006, S. 81). Allostasis bedeutet also: Stabilität durch Wandel. Der Organismus des Menschen verändert sich ständig, von der Geburt bis zum Tod. Dennoch muß er sich intern stabil halten, „gesund“ bleiben. Allostasis bedeutet, stabil (gesund) bleiben durch Veränderung – angesichts einer Vielzahl von Belastungen. Wer ein gut funktionierendes Immunsystem hat, lebt länger gesund. Untersuchungen bei sehr alten Menschen (100 Jahre und älter) zeigen: ihr Immunsystem hat noch gut funktioniert (Strindhall u.a.). Anders gesagt: Wer sein Immunsystem durchhängen läßt, fliegt früher aus der Bahn seines Lebens.
Adaptogene sind keine Arzneimittel. Sie sind Erzeugnisse der Evolution, nicht des Labors. Sie sollten auch nicht wie Arzneien eingenommen werden. Wenn die Krankheit weg ist, setzt man Medikamente wieder ab. Adaptogene Heilpflanzen/pilze nimmt man permanent. Sie stärken den Körper und die Psyche. Sie halten das Nervensystem in einem guten Zustand. Manche sagen daher: sie wirken “ganzheitlich”. Arzneien wirken, oder sollen es, wenn eine Krankheit vorliegt, sofort. Sie verlangen eine exakte Diagnose. Ist diese falsch, gibt es Riesenprobleme. Die Nebenwirkungen kommen dazu, weil Medikamente ganz spezifische Wirkkomponenten (ein bestimmtes chemisches Molekül) oder einen bestimmten pflanzlichen Wirkstoff zur Therapie nutzen. Bei Adaptogenen ist das anders. Ein gesunder Körper braucht keine Arzneimittel. Er freut sich jedoch auf Adaptogene. Sie halten seinen Körper gesund, ohne Nebenwirkungen. Sie wehren Störenfriede (Stressoren) ab. Sie finden heraus, wo es Probleme gibt. Wenn es keine Disharmonien gibt, wirken sie immer noch, da sie unseren Organismus, für uns oft unmerklich, auf hohem Niveau gesund halten. Da sie vielfältige Wirkstoffe haben, können sie auch vielfältig wirken. Sie verhindern, daß Probleme entstehen (der Körper bleibt gesund) oder das die Probleme außer Kontrolle geraten. Das heißt nicht, Adaptogene seien austauschbar. Dazu sind die Wirkstoffkombinationen zu verschieden. Adaptogene haben daher auch Schwerpunkte ihrer Wirkung. Auf Schisandra etwa freut sich die Leber. Rhodiola ist ein Freund des Gehirns. Auch andere Adaptogene ließen sich als „Gehirnstimulierer“ (Neuroenhancer) einstufen. Die Diskussion zu Gehirndoping (Neuroenhancing) nimmt davon allerdings keine Kenntnis. In Fragen & Antworten zu den einzelnen Adaptogenen gehen wir auf ihre jeweiligen Besonderheiten ausführlicher ein.
6. Folgen für die PraxisDa Adaptogene Ähnliches bewirken, heißt das nun, es genügt, wenn ich ein ganz bestimmtes Adaptogen (etwa Ginseng) für mich nutze? Manchmal, aber nicht immer. Zum einen kann unter bestimmten Bedingungen ein Adaptogen nicht hinreichend wirksam sein. Da der Organismus komplex ist, gibt es immer Situationen, wo die Wirkstoffe eines spezifischen Adaptogens in bestimmten Situationen nicht ausreichend greifen. Ein anderes könnte dann helfen. Adaptogene unterscheiden sich danach, auf welche Organe sie besonders gut wirken. Sieht man sich die Wirkungsfelder von adaptogenen Heilpflanzen wie Jiaogulan, Panax Ginseng, Reishi, Rhodiola, He Shou Wu, Schisandra, Eleuthero, Cordyceps und andere an, stellt man fest: Sie überschneiden sich einerseits in großem Maße; sie wirken auch alle nicht-spezifisch. Andererseits sind sie in bestimmten Bereichen besonders wirksam. Einige sind gut für die Nieren, andere für die Leber, wieder andere helfen uns besser zu schlafen. Gut heißt, sie spenden oder erhalten den Organen die Energie, gut ihren Aufgaben nachzukommen. Jedes Adaptogen besitzt sein eigenes Wirkungsfeld, verfügt über seinen eigenen Charakter. Sie sind also im Hinblick auf ihre Wirkungen nicht vollständig austauschbar. (Mehr Informationen dazu in „Fragen und Antworten“ zu den einzelnen Adaptogenen). Es ist also gut, Adaptogene miteinander zu kombinieren. Was das eine nicht ganz schafft, kann das andere mithelfen zu leisten. Weiterhin: Adaptogene wirken synergetisch. Die Wirkstoffe addieren sich nicht einfach auf: 2 + 2 = 4, sondern erzeugen in ihrem Zusammenwirken einen gesundheitlichen Mehrwert: 2 + 2 > 4.
7. Was ist der Unterschied zwischen Adaptogenen, Drogen und Stimulanzen?Adaptogene haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Stimulatoren: Sie machen nicht abhängig. Adaptogene sind keine Drogen, keine Doper. Sie stimulieren und energetisieren - ohne abhängig zu machen. Wer es nimmt, tut seinem Körper einen großen Gefallen. Wer es absetzt, erleidet keinen Einbruch. Das gilt für alle Adaptogene (Winston & Maimes, S. 61-69). Adaptogene werden daher auch verstanden als „Heilpflanzen, welche den Widerstand gegen Streß erhöhen, die Konzentration steigern und die Ausdauer bei Müdigkeit“ erhöhen. Die Autoren (Panossian u.a., 2009) überprüfen diese Aussage für Schisandra, Eleuthero und Rhodiola, sie gilt jedoch für alle Adaptogene. Brown & Gerbarg (S. 159-61) erklären, wie Rhodiola Rosea erfolgreich mit Burnout umgeht – und was sie schreiben, gilt für andere Adaptogene genauso. Es ist daher wichtig, zwischen Anregungsmittel, Tonikum und Adaptogen zu unterscheiden. Ein Stimulanz wie Kaffee oder Nikotin, von härteren Drogen und Neurodoping ganz zu schweigen, macht kurzfristig munter („high“), danach fällt der Körper auf Müdigkeit zurück. Es wird oft schlimmer wie vorher: Kopfweh, Müdigkeit, Konzentrationsmangel ziehen ein. Das schafft Abhängigkeit. Ein tonischer Wirkstoff hat diese negativen Wirkungen nicht. Er stärkt und belebt verschiedene Organe und Körpersysteme. Diese Vorteile bleiben bestehen. Es gibt nach Absetzen keinen Einbruch. Adaptogene stärken die energetische Bilanz des Organismus dauerhaft. Auch (fast) keine Nebenwirkungen. Adaptogene haben ausgeprägte tonische Wirkungen und zusätzlich verfügen sie über die genannten Eigenschaften adaptogener Heilpflanzen. „Die Nutzung dieser Drogen (gemeint sind Adaptogene) erzeugt typischerweise keine Nebenwirkungen, anders als die herkömmlichen Stimulanzien es tun, die abhängig machen und eine negative Auswirkung wie auf das Schlafverhalten haben“ (Panossian & Wagner).
Alle Adaptogene sind tonisch, aber nicht jedes Tonikum ist adaptogen.Hinweis: Die energetische Kraft der Adaptogene spricht sich herum und wird vom Marketing aufgegriffen. Die Amerikaner schlagen besonders hart zu. Alles Mögliche wird mit dem Namen Adaptogen geschmückt. Die Liste der Adaptogene ist kurz.
8) Produktion und VerarbeitungAdaptogene lassen sich in drei Formen verarbeiten und verabreichen • Die Heilpflanze im ursprünglichen Zustand. Etwa Ginsengwurzeln, also das „Rohmaterial“. Oder die Blätter von Jiaogulan. Bei den meisten Adaptogenen nicht möglich oder nicht praktisch zu machen (etwa beim Heilpilz Reishi).
• Verarbeitung zu Pulver (etwa Schisandra oder Reishi) oder Tee (Jiaogulan).. Das Pulver enthält sämtliche aktiven Substanzen der Pflanze oder des Pilzes.
• Extrakte. Extrakte werden aus den Pflanzen/Pilzen selbst oder aus Pulver gewonnen. Durch Extrakte erfolgt eine Wirkstoffanreicherung. Wenn die Extrakte auf einen gleichbleibenden Wirkstoffgehalt eingestellt sind, spricht man von Standardisierung. Dieser kann jedoch zwischen den Herstellern bzw. Anbietern durchaus verschieden sein. Die Wirkungsintensität der Extrakte (nicht identisch mit Qualität) wird durch zwei Informationen angegeben.
(1) Das Verhältnis, in dem das Rohmaterial zu dem Extrakt steht. Etwa Schisandra 10:1 bedeudet: um 1kg Extrakt von Schisandra zu erzeugen, werden 10 kg des Rohmaterials (Beere oder Pulver der Beere) benötigt. Je höher das Verhältnis, desto wirkkräftiger der Extrakt (bei gegebener Qualität des Rohmaterials);
(2) die Inhalte des Extraktes: 80-prozentiger Ginseng oder Jiaogulan heißt: der Extrakt besteht zu 80 Prozent aus den wirkkräftigsten Bestandteilen der Heilpflanze. Man sagt dann etwa: der Ginsengextrakt enthält 80 Prozent Ginsenoside. Oder Extrakt Grüntee (kein Adaptogen): 98 % Polyphenole (bedeutendste Wirkungskomponente/aktive Substanz des grünen Tees) und 1-2 % Katechine.
Es gibt keine „optimale“ Verzehrempfehlung. Das Rohmaterial und Pulver sind 100% der Heilpflanze, aber oft nicht genießbar, umständlich genießbar oder schwierig zu produzieren. Extrakte haben eine höhere Wirkkraft und lassen sich leicht einnehmen. Zudem wird die moderne Forschung zur Wirkkraft der Inhaltsstoffe von Adaptogenen überwiegend mit Extrakten durchgeführt. Unsere Meinung: Der gesundheitliche Vorteil der Adaptogene ist so beachtlich, daß die Einnahme an sich das Entscheidende ist. In welcher Zubereitungsform man Adaptogene einnimmt ist auch wichtig, aber nicht der entscheidende Punkt. Einfach gesagt: besser Adaptogene als keine.
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Voltaire 1694 - 1778
